Google-Spam nervt nicht nur, er kostet auch viel Geld. Eine ihm bekannte Content-Farm dürfte mit monatlich 5000 Trash-Texten von der VG Wort jährlich 720.000 Euro kassieren, sagt Foren-Betreiber Fabian Gränzer im Medienradio. Dazu kämen noch Millionen durch Adsense-Werbung.
Ein Platz unter den Top 10 auf Googles Such-Ergebnissen kann Millionen wert sein. Entsprechend hart und mitunter dubios ist der Kampf um diese Plätze. Auch für Fabian Gränzer entscheidet ein gutes Google-Ranking über den Erfolg seines Geschäfts: Er ist Gründer und Chef des Computer-Forums Supportnet.de. Derzeit hat er monatlich knapp eine Million Uniques – vor dem letzten Panda Update von Googles Suchalgorithmus waren es einige Hunderttausend mehr.
Fabian plaudert aus dem Nähkästchen der Suchmaschinen-Optimierer und stimmt zu, dass Googles Suchergebnisse in bestimmten Bereichen durch den Spam extrem leiden. Fabian hat sich daher mit Jamaipa.de eine eigene Suchmaschine gebastelt für spamfreie Gadget-Suche.
Wir reden über automatisierte Twitter-Spamer, käufliche Facebook-Freunde und darüber, wie man die Zeit zu Geld macht, die Updates für Googles Algoritmen nach Deutschland brauchen. Auch eine Prognose wagt Fabian: Als nächstes sehen wir Botnetze, die Google legitimen Traffic vortäuschen.
Die Digitale Gesellschaft hat über 10.000 Euro Spenden eingesammelt, sagt Markus Beckedahl, der im Medienradio mal einen Wasserstandsbericht zur Lage dieses Vereins für digitale Bürgerrechte gibt, den er mit anderen vor rund einem Dreivierteljahr gegründet hat. Wir sprechen über den langwierigen Gründungsprozess, die Vorwürfe mangelnder Transparenz, das angestrebte “Greenpeace-Modell” sowie die heutige Mitglieder- und Spendenpolitik der DigiGes.
Markus, der Dank Werbung jetzt hauptberuflich als Blogger arbeiten kann, sagt, warum er nicht in der Piratenpartei ist und äußert sich skeptisch zu den Aussichten einer Europäischen Bürgerinitiative gegen Vorratsdatenspeicherung, die der FDP-Politiker Jimmy Schulz angeregt an.
Uli Jentsch und Eike arbeiten im Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin, kurz Apabiz, einem Verein, der seit 20 Jahren die rechte Szene beobachtet, dokumentiert und analysiert. Nicht erst im Zuge der Berichterstattung über die Nazi-Truppe NSU ist das Apabiz zur Anlaufstelle geworden für Journalisten, die Infos, Fotos und Hintergründe über die rechte Szene in Deutschland suchen. Im Medienradio berichten Uli und Eike über ihre Arbeit, wie sie recherchieren und sich schützen. Im Gespräch mit Philip Banse geben sie einen Überblick über Struktur, Ideologie und Medien der rechten Szene. Thema sind etwa die “Autonomen Nationalisten”, eine relativ junge Strömung der rechten Szene, die vor allem versucht, sich ästhetisch-kulturell abzusetzen. Uli Jentsch und Eike analysieren den rechten Terror der NSU (“war eine Frage der Zeit”), sprechen sich gegen ein NPD-Verbot und gegen V-Männer aus, sind sich aber nicht einig, ob der Verfassungsschutz abgeschafft werden sollte. Gegen Ende sprechen die beiden Aktivisten über ihr Selbstverständnis als Medium und ihre Erfahrungen mit Social Media.
Ich habe überlegt, ob ich auf Nazi-Seiten verlinken soll. Ich habe mich dafür entscheiden, die URL zu posten, aber nicht zu verlinken. Es fühlt sich immer noch nicht gut an, weil das Netz nun mal aus Links besteht und Ideologien zu verstecken, keine gutes Rezept ist, um sie zu bekämpfen. Aber sie bei Google nach oben zu spülen, muss vielleicht auch nicht sein. Was besseres fällt mir gerade nicht ein. Wie seht Ihr das?
Die Sendung wurde am 19.12.2011 aufgenommen, ich konnte sie aus technischen Gründen aber leider erst jetzt veröffentlichen.
Heute: Medien-Guerilla – eine Einführung anhand vieler Beispiele. Hans Gift und John F. Nebel vom Metronaut über Art, Funktion und Planung von Aktionen, die Sand ins Mediengetriebe streuen und im besten Fall uns alle ein bisschen schlauer machen. Die beiden Kommunikations-Guerilleros geben ein paar Pro-Tipps für ambitionierte Medien-Hacker (Twitter-Accounts züchten, tote Briefkästen, Bildung glaubhafter Legenden) und empfehlen Anfängern ein paar gute Trainings-Partner (FDP).
Natürlich schildern sie auch en détail, wie ihr Podcast-Bus beim Castor-Transport im Wendland beschlagnahmt wurde. Viel Spaß.
Vor gut einem Jahr gingen die Prenzlauer Berg Nachrichten an den Start, die ambitionierteste Online-Zeitung Berlins. Gründer und Chef Philipp Schwörbel ist studierter Betriebswirt und investiert seine Ersparnisse in dieses Projekt. Im Medienradio spricht er über seine Motive, sein Geschäftsmodell und die deutsche Lokal-Blog-Szene.
Direkt vom CDU-Parteitag in Leipzig kam der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier, in mein noch etwas improvisiertes Studio gefahren. Andreas Baum, a.k.a Onkel Andi aus dem Küchenradio, war auch mit dabei. Video gabs keins, weil die Bandbreite (noch) nicht reicht. Internet als Universaldienst war denn also ein Thema. Peter Altmaier twittert seit einigen Wochen und hat mit einem Artikel in der FAZ zu den Piraten und dem Internet allgemein für viel Aufsehen gesorgt. Wir sprechen über Altmaiers Erkenntnisse übers Twittern, wie Twitter die Politik verändert, wie sich die Parteien über diese kommunikative Selbstverständlichkeit hinaus verändern müssen und warum das noch so wenig passiert. Mein Eindruck ist, dass Peter Altmaier die Funktion und Qualität der Netz-Kommunikation versteht und erlernen will. Auch die Reichweite der digitalen Revolution erahnt er (Internetzugang so wichtige wie Wasseranschluss). Aber die konkreten netzpolitischen Folgen aus dieser Revolution (Universaldienst, Netzneutralität, Urheberrecht) hat er noch nicht wirklich durchdacht. Mit den Details des Streits um ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage kenne er sich nicht aus, gesteht er – und hat damit auch seinen Piraten-Moment ;)
Seda Gürses ist Informatikerin, Aktivistin und forscht an der Kath. Uni Leuven. Im Medienadio erklärt sie den Unterschied zwischen Datenschutz und Privacy; sagt, warum Anonymisierung nichts bringt, warum sie sich vom Datenschutz verabschieden will und was stattdessen kommen könnte. Privacy by Confidentiality, Privacy by Control, Privacy by Practice.
Don Dahlmann ist Netz-Journalist bei Neuerdings, macht das mit dDos-Attacken erpresste Racing Blog und hat Podcasting für sich entdeckt. Wir sprechen über die deutsche WIRED; politische Blogs und fragen: Schuhmacher oder Vettel? Gasherd oder Induktion? Und am Ende behaupte ich, es wäre unsere 50. Sendung…. Naja. Viel Vergnügen.
Jan Engelmann ist kein aktiver Wikipedia-Autor, aber seit kurzem beim Wikimedia e.V., dem Verein, der die deutsche Wikipedia organisiert, zuständig fürs Lobbying. Wir bereden mit ihm, was das bedeutet, welche Themen er beackert und wie er das konkret macht. Inspirierend: Öffentlich-rechtliche Sender sollten Inhalte nicht nur unter CC veröffentlichen, sondern auch kommerzielle Nutzung erlauben – also auch für SAT.1 und Podcaster ;) Natürlich sprechen wir auch über einige aktuelle Probleme der (deutschen) Wikipedia wie Autorenschwund, Inkludisten vs. Exkludisten, WYSIWYG-Editor.
Paula Hannemann ist seit einem Jahr Social Media Managerin des WWF Deutschland. Im Medienradio erzählt sie, wie sie Twitter, Facebook etc. einsetzt, sowohl in der Organisation, als auch nach außen. “NGO müssen Medienunternehmen werden”, sagt sie und erzählt, wie beim WWF Netz-Kampagnen entstehen und geplant werden – und welche Probleme es dabei gibt. Von der hohen Kunst des Mailens bis zum Umbau der Organisation, um schnell reagieren zu können. Freuen uns auf Eurer Feedback.
Dieser Film über den WWF (“Pakt mit dem Panda”) kritisiert u.a. die Tiger-Kampagne, wurde aber leider nach dem Interview mit Paula ausgestrahlt. Ich hatte erfolglos versucht, vorab eine Kopie zu bekommen. Wieso bitte, ist der der Film nicht in der ARD Mediathek?! Da wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk mal seinem Auftrag gerecht und das Ergebnis ist nicht mal sieben Tage in der Mediathek? Weil ihr die Verbreitung des Films kontrollieren wollt? Fassungslos.
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